Hamel

17. Salzburger Jazz-Herbst

„Old-fashioned!“, lacht Hamel. „Altmodisch – ich glaube, so könnte man meine Art zu singen beschreiben.“ Eine ungewöhnliche Aussage für jemanden, der so frisch klingt und unangepasst daherkommt wie der holländische Shootingstar. Aber in gewisser Weise hat Hamel Recht: Seine die Ohren verblüffende technisch brillante Stimme hätte wohl in jedem musikalischen Jahrzehnt Gehör gefunden. Und so eloquent, wie er singt, erscheint er auch persönlich: welt- und wortgewandt und nahbar zugleich. Singer/Songwriter - dieser Begriff passt auf seine Art und Weise, mit Musik umzugehen, auf Hamels Musik selbst passt er weniger.

„Meine Idole waren schon immer eher Komponisten als Sänger“, sagt er von sich und schlägt dann einen großen stilistischen Bogen: Ob Gershwin, Cole Porter oder Rufus Wainwright ein guter Song ist ein guter Song, egal, ob er 1920 oder 2011 geschrieben wurde. „Hauptsache, die Melodie packt mich.“ Und so führen auch Hamels eigene Melodien auf aberwitzigen Routen durch schräg-verspielte, an Elvis Costello erinnernde Gefilde, über hymnenhafte Anklänge an Billy Joel bis hin zu elegantem Soul, gesungen mit der Leichtigkeit eines Frank Sinatra. Manchmal alles auf einmal, innerhalb eines einzigen Songs, als wäre es das Natürlichste der Welt. Doch was mit spielerischer Leichtigkeit in der Stimme daherkommt, verbirgt oft weniger leichte Inhalte: melancholische Erinnerungen an Verlorenes oder verloren Geglaubtes, an vergebene Chancen und vermeintlich bessere Zeiten.

Hamel, 1977 in Den Haag zur Welt gekommen, studierte in Utrecht Gesang und gewann 2005 den Nederlands Jazz Vocalisten Concours. 2007 produzierte er mit Benny Sings sein Debütalbum Hamel, das mehrere Preise gewann. In der Folge tourte Hamel mit seiner Band durch Japan. 2008 wurde er mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Auch für die zweite CD „Nobody‘s Tune“ (2009) bekam er eine Goldene Schallplatte. 2012 erschien das dritte Album Lohengrin.

„Ich musste mich erst lösen von den ganzen perfekten, erdrückend großen Jazz-Standards, von der gelernten Technik, von meinen zu hohen Ansprüchen an mich und das, was ich machen wollte. Ich war sehr, sehr lange sehr, sehr unsicher. Aber das hatte auch etwas Gutes: Als es dann ‘klick‘ machte und ich zu schreiben begann, hatte ich genug Lebenserfahrung gesammelt, um wirklich etwas erzählen zu können."

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