Ennio Marchetto

The Living Paper Cartoon

Wenn sich in unseren papierfeindlichen Zeiten des WWW über sieben Millionen Menschen einen Papierkünstler auf YouTube anschauen, muss es sich um etwas ganz Besonderes handeln. Um etwas Einmaliges, Mitreißendes. Um Ennio eben! Ennios Kunst lebt einzig und allein von Pappe und Papier und natürlich von seiner unnachahmlichen Beobachtungsgabe. Mit dieser Kombination erweckt er immer und immer wieder seine Stars zum Leben und reißt jedes Mal aufs Neue sein Publikum in Begeisterungstürmen von den Sitzen. Begrüßen Sie Ennio Marchetto and his Allstars: Madonna, Cher, Michael Jackson, Luciano Pavarotti, Marilyn Monroe, Prince, Mona Lisa, die Queen.

 

Ennio Marchetto über seine Begegnung mit Liza Minnelli und weitere Höhepunkte seiner Karriere in einem Beitrag des Regional Fernsehens Oberbayern.

Kritik von THEATER HEUTE, Renate Klett
Starschnitte in Bewegung
Ennio Marchetto rast in Papierkleidern durch die Welt der Pop-Ikonen
Es ist die Geburt des Theaters aus dem Papier, und sein Erfinder ist einer, zwei, viele, nacheinander, übereinander, gleichzeitig in rasendem Tempo – seine Reise durch die Popwelt dauert 90 Minuten, und ein paar Opern und beseelte Gemälde fallen auch noch dabei ab. Ennio Marchetto heißt der Wundermann, er kommt aus Venedig und ist ein Kind des Karnevals. «Damals», sagt er, «als der Karneval noch uns gehörte und nicht den Touristen, da hab ich mir bemalte Stoffkostüme ausgedacht, die wie Skulpturen aussahen, einfach so, aus Spaß für mich und meine Freunde. Und eines Nachts ist mir Marilyn Monroe im Traum erschienen, in einem Papierkleid, und als ich aufwachte, hab ich es ausgeschnit¬ten, so wie ich es im Traum gesehen hatte.» Das war der Beginn von Marchettos Papiertheater, das aus flachen, bunt bemalten Kleidern und Perücken bestand, mit denen er auf Partys auftrat, Gestik und Mimik des Stars kopierend. Inzwischen haben sich daraus  interna¬tional gefeierte Shows entwickelt, für die Marchetto rund um den Globus Preise, Hymnen und Begeisterungsstürme einsammelt – sogar für den Lawrence Olivier Award war er schon nominiert. Die Kostüme sind immer noch flach und aus Karton, verfügen aber jetzt über raffiniert-einfache Zieh- und Klappmechanismen, mit denen sie sich ständig verwandeln: Schnüre, um Brüste, Rüschen, Schwerter ins Dreidimensionale zu reffen, Schlitze, Falten, Rückseiten, Aufklapptafeln, die mit ein paar Handgriffen eine Doris Day in eine Dolly Parton verwandeln oder ein Pferd in eine Harley Davidson. Die Kostüme und ihr Träger sind ununterbrochen in Bewegung, sie tanzen, jauchzen, stolpern, fliegen – es ist atemberaubend und so schnell, dass die Augen kaum nachkommen mit Gucken. Und man gar nicht so flink lachen kann, wie die Überraschungen hervorpurzeln. 
Dazu kommt Musik vom Band, ein ganzer Song oder nur ein paar Takte, auf die Sekunde berechnet und synchronisiert mit (sehr genau studierter) Mimik und Gestik des jeweiligen Stars. Was Marchetto macht, ist Schwerstarbeit, eben noch Eminem, jetzt schon Gloria, dazwischen eine Montserrat Caballe (mit herausklappbarer Schlachtplatte, die sie beim Schmettern verzehrt) oder ein deutsches Potpourri von Udo Lindenberg bis «Biene Maja». 200 Charak¬tere hat er im Repertoire und erfindet immer neue dazu, deshalb ist die Show in ständiger Veränderung, nur die Ikonen bleiben: Marilyn, Mona Lisa, Liza Minelli oder Edith Piaf, liebevoll bösartige Kurzportäts in Karton. Für die Japan-Tourneen hat er dortige Popstars studiert, für Deutschland gibt es (neben anderem) eine furiose Walküre-Jodler-Marlene-Dietrich-Metamorphose. Und die blitzschnelle Verwandlung von Queen Elizabeth in Freddie Mercury – die soll ihm erstmal jemand nachmachen! Er ist auch alle drei Supremes auf einmal, ein ganzer Gospelchor oder Abba vierfach in Seitenperspektive.

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