Friedemann Schrenk

Ursprünge, Umbrüche, Umwege: sechs Millionen Jahre Mensch

Vortrag über Paläoanthropologie in Kooperation mit GeoComPass SALZBURG

Die frühe Entwicklung des Menschen verlief nicht geradlinig. Afrika besitzt hier eine zentrale Bedeutung. Doch warum befindet sich eigentlich die Geburtsstätte des Homo sapiens hier? Und welche Umwege nahm der Mensch bei seiner weiteren Expansion über die Erde? Fossilfunde aus Afrika belegen eine große geographische Vielfalt an Hominiden-Varianten vor sieben bis vier Millionen Jahren.

Diese ersten aufrecht gehenden Vormenschen entwickelten sich am Rande des tropischen Regenwalds, der aufgrund von Klimaveränderungen zunehmend offener wurde. Der aufrechte Gang des Menschen entstand vielleicht sogar mehrmals in diesem Lebensraum, da er Vorteile bei der Nahrungsbeschaffung bot. Auch Kooperationsfähigkeit war ein entscheidender Grund für die Entstehung der Vormenschen. Vor ca. 2,5 Millionen Jahren in einer Phase starker Trockenheit blieben die Regenzeiten über mehrere hunderttausende Jahre weitgehend aus, die Nahrung bestand zu einem großen Teil aus hartschaligen und faserigen Pflanzen. Hierbei entstand die Gattung Mensch durch die Erfindung der Technik: Die ersten Werkzeuge waren Hammersteine zum Zerkleinern der harten Nahrung. Bald darauf wurde auch das Feuer genutzt. Mit Beginn der kulturellen Evolution kam es zu ersten Expansionen der Frühmenschen von Afrika aus zunächst nach Asien und Südeuropa. Während die Faktoren der biologischen Evolution langsam an Bedeutung abnahmen, stieg die Zahl der Entwicklungsfortschritte bei der kulturellen Evolution stetig an und führte vor ca. 250.000 Jahren zur Entstehung von Homo sapiens in Afrika. Gleichzeitig bevölkerte eine Vielzahl von Zeitgenossen die Erde, so z. B. die Neandertaler in Europa, die Denisova-Menschen in Asien oder die Flores-Menschen in Südostasien. Zwar sind geringe frühe Vermischungen paläogenetisch nachzuweisen, aber seit 15.000 Jahren sind wir alleine auf der Welt, Homo sapiens hatte alle anderen Mitmenschen verdrängt – der Beginn eines unglaublichen Siegeszugs einer einzigen Spezies auf Kosten vieler anderer.

Friedemann Schrenk, Jahrgang 1956, ist einer der führenden Paläontologen und Anthropologen Europas und einer der glücklichsten dazu – war es doch sein Expeditionsteam, das 1991 den damals ältesten bekannten Unterkiefer der Welt in Malawi gefunden hatte: 2,4 Millionen Jahre – und damit 500.000 Jahre älter als das Fragment, das der berühmte Anthropologe Richard Leakey 1972 geborgen hatte. Erst 2015 fand sich ein noch älteres Unterkieferfragment in Äthiopien. Schrenk ist Professor für Paläobiologie an der Universität Frankfurt am Main und wurde 2006 mit dem „Nobelpreis“ für Wissenschaftskommunikation, dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. In der Laudatio wurde dabei auch Schrenks Einsatz für Malawi und die kulturelle und soziale Entwicklung dieses afrikanischen Staates gewürdigt – ebenso wie seine zahlreichen Bücher zu Frühmenschen, zur Menschwerdung in Afrika und zur Evolution, die einen breiten Adressatenkreis ansprechen und seine grenzenlose Begeisterung für ein Fach, das sich wohl wie kein anderes mit den grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz auseinandersetzt.

Kontakt:
GeoComPass SALZBURG (Werner Gamerith)
c/o Fachbereich Geographie und Geologie der Universität Salzburg
Hellbrunnerstraße 34, 5020 Salzburg
+43 664 4334337
info@geocompass.at

Website: www.geocompass.at

OVAL – Die Bühne im EUROPARK ist stolzer Partner von: