Karl Ratzer

Karl Ratzer, in Wien als Sohn zweier KZ-Überlebender geboren, erlernte das Gitarrenspiel autodidaktisch und stand bereits ab seinem zwölften Lebensjahr auf der Bühne. In den 1960er-Jahren machte er sich rasch einen Namen als Ausnahmetalent der österreichischen Rockszene: Mit Bands wie den „Teenbeats“, „The Slaves“ sowie eigenen Formationen wie „The Charles Ryder Corporation“, „C-Department“ und „Gipsy Love“ stieg Karl Ratzer zu einem der prägendsten Rockgitarristen im deutschsprachigen Raum auf.

Ein entscheidender Wendepunkt folgte mit seinem Umzug in die USA. Von 1972 bis 1980 lebte Karl Ratzer in Städten wie New York, Chicago und Atlanta und arbeitete mit Eddie Gomez, Steve Grossmann, Claudio Roditi, Joe Chambers sowie vielen weiteren namhaften Jazzmusikern zusammen. In dieser Zeit vollzog sich sein endgültiger Wandel zum Jazzgitarristen. 1979 holte ihn der Trompeter Chet Baker im Rahmen einer Tournee zurück nach Europa – eine Begegnung, die Karl Ratzers internationale Laufbahn nachhaltig prägte. Nach Jahren persönlicher Höhen und Tiefen, in denen der Gitarrist mit Drogenproblemen zu kämpfen hatte, gelang ihm schließlich der bewusste Ausstieg aus der Szene. Eine zentrale Rolle spielte dabei seine Frau Anna, die er 1982 als Stationsschwester im AKH Wien kennenlernte und die ihn seither begleitet und unterstützt.

Prägende Jahre im österreichischen Jazz
Ab den frühen 1980er-Jahren entwickelte sich Karl Ratzer zu einer der stilprägenden Persönlichkeiten des österreichischen Jazz. Davon zeugen gemeinsame Projekte mit Größen wie Art Farmer, Lee Konitz, Clark Terry, Johnny Griffin, Hans Koller und Fritz Pauer, aber auch mit Chaka Khan sowie den Wienerlied-Legenden Karl Hodina und Tommy Hojsa. Als musikalischer Direktor und Mitbegründer des Jazzclubs „Camarillo“ (1988-89) setzte Karl Ratzer wichtige Impulse für die Wiener Jazzszene. Parallel dazu engagierte er sich auch als Pädagoge: Von 1999 bis 2003 lehrte er als Gastprofessor für Jazz-Gitarre in Graz, ab 2004 unterrichtete er am Vienna Music Institute.

Seit 2010 tritt der Musiker in wechselnden Formationen mit langjährigen Weggefährten wie Ed Neumeister, Johannes Enders, Peter Herbert, Howard Curtis, Andreas Werth sowie Margarethe Herberts „eXtracello“ auf. Sein Wirken wurde vielfach ausgezeichnet: Neben der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien (2002) erhielt Karl Ratzer unter anderem den Berufstitel Professor, das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien sowie den Amadeus für sein musikalisches Lebenswerk (2023). Anlässlich seines 75. Geburtstags widmete ihm der Wiener Jazzclub „Porgy & Bess“ 2025 eine mehrtägige Personale, die einmal mehr die enge Verbindung zwischen dem Musiker und diesem zentralen Ort der Wiener Jazzgeschichte unterstrich. Zeitgleich erschien dort auch sein jüngstes Trio-Album „Vienna Red“, das mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde

„Rio Blue“ – Karl Ratzer Sexteto Brazil im OVAL
Mit dem Projekt „Rio Blue“ präsentiert Karl Ratzer eine seiner persönlichsten musikalischen Reisen. Entstanden aus langjährigen Freundschaften mit Musikern aus unterschiedlichen Kontinenten, verbindet das „Karl Ratzer Sexteto Brazil“ brasilianische und lateinamerikanische Klassiker mit nordamerikanischen Jazzstandards und eigenen Kompositionen.

Gemeinsam mit Peter Herbert (Bass) und Howard Curtis (Schlagzeug), dem in Rio de Janeiro geborenen Sänger, Gitarristen und Komponisten Yta Moreno sowie den beiden Perkussionisten Fred Mascavo und Ricardo Matheus entsteht ein transparenter, hochmusikalischer Ensemble-Sound. Keine Effekthascherei, sondern melodische Altersweisheit, Spielfreude und rhythmische Tiefe stehen im Zentrum. Eine musikalische Weltreise, die Grenzen überwindet und Seelenverwandtschaften hörbar macht: „Rio Blue“ am Donnerstag, 26. Februar, live im OVAL.

Quellen:
https://www.karlratzer.com/bio
https://www.zeit.de/2018/24/karl-ratzer-jazz-gitarrist-fruehwerk
https://oe1.orf.at/programm/20250702/800302/Karl-Ratzer-der-Grosse-der-Kuehne-der-Weise
https://www.derstandard.at/story/3000000276694/konzert-hattrick-fuer-gitarrist-karl-ratzer-zum-75er?ref=article