Anita Köchl & Edi Jäger

Gut gegen Nordwind

Die elektronischen Medien sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken, der Umgang mit ihnen ist längst als Kulturtechnik dem Lesen, Schreiben und Rechnen gleichwertig. Und wir haben uns auch mit und durch sie verändert. Wir leben eben nicht mehr nur in einer realen, materiellen Welt, sondern auch in zahllosen virtuellen, und die Grenzen verwischen immer mehr. Höchste Zeit, dass sich jemand um die speziellen Tiefen und Untiefen des Schreibens am Bildschirm kümmerte! Daniel Glattauer hat mit seinem Roman "Gut gegen Nordwind" ein Buch herausgebracht, das ebenso süchtig macht wie sein Sujet - das Scheiben nächtlicher E-Mails - und dabei laut Spiegel "einen der zauberhaftesten und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur" abgeliefert. Denn gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser geschützten Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen?

 

Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt. Aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern und die heile virtuelle Welt noch einige Zeit aufrecht erhalten, denn im realen Leben ist Emmi glücklich verheiratet und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt: Würden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Die beiden Vollblutschauspieler Anita Köchl und Edi Jäger haben gemeinsam mit Regisseur Fabian Kametz diesen Roman für die Bühne adaptiert und haben für dieses bestimmt nicht leichte Unterfangen eine wunderbare Form gefunden, die von der Diskrepanz zwischen dem Alltags(er)leben der beiden Protagonisten in ihrem realen Umfeld und den virtuell generierten Gefühlen, Sehnsüchten und Phantasien ihre Spannung bezieht.

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