Maria Bill

Farewell-Tour 2012 „I mecht landen“

Was ist los? Was geht da vor? „I mecht so gern landen, mecht in deiner Nähe bleiben.“ Sie hat ihre Lieder selbst geschrieben, selbst gesungen und damit die Hitparade im Sturm erobert: Maria Bill. „I mecht landen“ - so hieß auch ihr erstes Album, für das sie 1982 in kürzester Zeit die goldene Schallplatte erhielt und dem insgesamt sechs weitere folgten.

Was ihre Fans sich lange gewünscht haben, wird endlich erfüllt. Maria Bill landet wieder: Mit der Neuauflage ihrer ersten CD samt Überraschungssong gemeinsam mit der zweiten CD „Best of Bill“ aus späteren Alben. Damit verbindet sie ihre neue und letzte Tournee „I mecht landen“ und nimmt auf diese Art Abschied von ihrem Lebensabschnitt der selbst geschriebenen Songs. Die Wiener Schauspielerin und Sängerin mit Schweizer Wurzeln zieht Bilanz. Sie möchte die Geschichte ihrer Lieder und deren Folie aus Gefühlen noch einmal erzählen: Vom Scheitern, das zum Leben dazu gehört, von den Ängsten, die in der Nacht bedrohlich wachsen, und die am Morgen aufgelöste Schatten sind, weil man sich ihnen stellen konnte. „Ich will keine Angst haben“, wie einer ihrer Songs heißt, von der Leichtigkeit des Seins, von den Freuden, die in Luftsprüngen explodieren und vom Genießen des Augenblicks.

Als Artistin unter der Theaterkuppel scheute sie sich nie, auf dem Seil der Gefühle zu tanzen und sich singend auf die Hochschaubahn von Leben und Lieben zu begeben. Sie hat Lieder geschrieben wie andere Tagebücher; hat ihre Sehnsüchte, Ängste, Leidenschaften und jauchzenden Hochs in ihre Körperlichkeit und vor allem in ihre Stimme gepackt. Vom „Café de Flore“ über „Kaktus“ und „Meine Schuhe“ bis zum „Letzten G'spritztn“, „Jung und schön“ und „Du und I“. Von und mit Friedrich Gulda aufgenommen – mit Songs wie diesen hat sie sich in die Herzen ihrer Fans gesungen und inmitten der Austropop-Welle ein eigenes Genre kreiert: das Austro-Chanson, prall gefüllt mit den Stimmungen der Stadt, der Zeit und eigenen Emotionen. Dieses Lebensgefühl von damals verbindet sie nun mit Wissen und Erfahrungen von heute in ihrer Bill-typischen Art: mal frecher Clown, mal Liebeskummer-Mädchen, immer spontan, authentisch, unnachahmlich intensiv. Sie lässt eine flirrende Spannung entstehen, indem sie Vergangenes in der Gegenwart spiegelt.

Es ist noch immer so wie damals: wenn sie auftritt, ist das gebündelte Energie, die auf ihr Publikum überspringt wie ein Virus. Mit ihrer markanten Stimme und ihrer Offenheit begeistert sie die Menschen quer durch die Generationen und auch Nationen. Schließlich ist sie selbst als Multikulti-Kind aufgewachsen, in einem Kinderdorf für Kriegswaisen aus zwölf Ländern, das ihr Vater leitete. Nach ihrer Schauspielausbildung in Zürich erfährt sie beim Theatermeister Jacques Lecoq in Paris die tiefen Geheimnisse des gekonnten Spiels. Ihr Traum ist es, als Clown durchs Land zu ziehen, aber als sie Hans Gratzers Theaterensemble begegnet, wird alles anders. Anfang der 80er Jahre beginnt ihre steile Karriere am Wiener Schauspielhaus mit ihrem Mega-Erfolg als Edith Piaf und der Entdeckung des Stimmwunders Bill. Hymnische Kritiken und 25-minütige Ovationen begleiten die singende Schauspielerin, die Jahre später ihre erste Piaf-LP mitten auf der winterlichen Kärntnerstraße präsentiert: Als zerlumpte armselige Straßensängerin Piaf an der Seite eines Akkordeonisten singt sie „Milord“ und „Non, je ne regrette rien“ und hat in kürzester Zeit den Hut voller Geldscheine.

So unkonventionell waren und sind die Aktionen der Maria Bill. Obwohl sie als Schauspielerin begehrte Theaterpreise wie die Kainzmedaille erhält und von der Salome Pockerl in Nestroys „Talisman“ bis zur Spelunken-Jenny in der „Dreigroschenoper“ von Bert Brecht alles spielt, was einen Theaterstar ausmacht, verzichtet sie nie aufs Singen. Parallel zur Bühnenkarriere am Burg- und Volkstheater und als Darstellerin in preisgekrönten Filmen füllt sie als Interpretin der Chansons von Piaf und Jacques Brel regelmäßig große Häuser.

Mit ihrer Abschiedstournee „I mecht landen“ kehrt sie noch einmal in die Vergangenheit zurück und beginnt zugleich ihre Zukunft. „Das ist das Schöne am Abenteuer Leben“, sagt Maria Bill. „Es geht in eine Richtung, von der ich noch nichts weiß.“

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