Hermann Kreutzmann

Die neue Seidenstraße – vom Kreuzweg der Kulturen zum eurasiatischen Austauschkorridor

Lange Zeit haben europäische Kolonialmächte Zentralasien und die Seidenstraße kontrolliert und politisch gestaltet. Wie betrachtet heute China seine neue Seidenstraße als strategische Verkehrs- und Kommunikationsachse?

Die Seidenstraße verbindet symbolträchtig Europa und Asien. Der Austausch von Ideen, Religionen, Sprachen und Gütern über dieses Kommunikationsnetzwerk hat die Geschichte und Geschicke beider Regionen geprägt. Das chinesische Zeitalter wurde Mitte des 18. Jahrhunderts abgelöst durch die Vormachtstellung des Westens – eine Entwicklung, die sich in Zukunft möglicherweise wieder umkehren wird. Entlang der Seidenstraße betrieben die europäischen Imperien politische Planspiele, die sich in merkwürdigen Grenzziehungen und teilweise hermetisch abgeriegelten Staaten manifestierten. Nach einer langen Zeit des Kalten Krieges ist nun seit fast drei Jahrzehnten im Zeichen der Globalisierung wieder ein Austausch möglich geworden, der an alte chinesische Traditionen anknüpft und gegenwärtige Modernisierungsvorstellungen zur Blüte treibt. Das neue Land, wie die Autonome Region Xinjiang heißt, ist eine vielfältig gebrochene Region, in der die chinesische Modernisierungspolitik, die Sesshaftmachung von Nomaden und die Erschließung wertvoller Ressourcen gravierende Umwälzungen und Spannungen auslöst. Darüber hinaus stellt sie eine Schlüsselregion der chinesischen Handelspolitik dar, die von Präsident Xi Jinping unter dem Label „One belt, one road“ (OBOR) für die Zukunftsvision chinesischer Außenpolitik steht und nicht nur den Europahafen Duisburg mit der Industriestadt Wuhan per Eisenbahn verbindet. 

In diesem Vortrag werden aus einem historisch und geographisch angelegten Blickwinkel die Wirkungen der Seidenstraße sowie aktuelle und zukünftige Entwicklungspotentiale beleuchtet.
Hermann Kreutzmann, Jahrgang 1955, kann seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten, Zentralasien sein Zuhause nennen, jedenfalls sein wissenschaftliches Zuhause: Westchina, Tibet, Karakorum, Afghanistan, Tadschikistan, Kirgisien – in diesen Regionen fühlt sich der Hochgebirgsforscher, der stets den Blick auch auf die menschlichen Siedlungs- und Nutzungsmöglichkeiten in diesen teilweise sehr einsamen und isolierten Talschaften in den Weiten Zentralasiens richtet, am wohlsten, und diese Regionen und ihre Menschen kennt er seit mehr als 30 Jahren. Von 1996 bis 2005 war Hermann Kreutzmann als Lehrstuhlinhaber an der Universität Erlangen-Nürnberg tätig. Es folgte ein Ruf an die Freie Universität Berlin, wo er seitdem das Centre for Development Studies leitet. Nie um pointierte Aussagen verlegen, die aus langjähriger wissenschaftlicher Erfahrung gespeist werden, versteht es Prof. Kreutzmann hervorragend, die Öffentlichkeit für das brisante Thema der chinesischen Dominanz in Zentralasien zu sensibilisieren und sie einen Blick hinter die Kulissen werfen zu lassen.

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(Werner Gamerith) c/o Fachbereich Geographie und Geologie der Universität Salzburg
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