Moschee in Merv, Turkmenistan, aus dem 11. Jh.
Di, 17 Mär

Turkmenistan – Ein Land auf der Suche nach einer Identität

Univ.-Prof. Dr. Manfred Hinz
In Kooperation mit GeoComPass

Auf welche Identität kann sich ein junger, erst gut drei Jahrzehnte alter Staat stützen? Sein früheres sowjetisches Bewusstsein ist in Turkmenistan nicht mehr besonders gut angesehen. Ein Griff in die mythischen Überlieferungen aus der Vergangenheit? Vielleicht. Jedenfalls sichern üppige Erdgaseinnahmen den Diktatoren eine goldene Zukunft in einem auch an bizarren Absonderlichkeiten nicht eben armen Land.

Das Gebiet des heutigen Staates Turkmenistan wurde jahrhundertelang von verfeindeten turksprachigen Nomadenstämmen beherrscht. Die wenigen, aber sehr bedeutenden Städte waren persischsprachig und standen im ständigen Konflikt mit den Nomaden. Die Eingliederung in das russische Zarenreich (1881) bedeutete das Ende des Sklavenhandels und die Versuche, die Nomaden anzusiedeln. Die Sowjetzeit zeichnete sich durch großanlegte Bewässerungslandwirtschaft (Baumwolle) aus. Seit der Unabhängigkeit 1991 steht Turkmenistan vor der Herausforderung, sich selbst so etwas wie eine nationale Identität zu verleihen – durch den Aufbau eines modernen Vorzeige-Turkmenistans, den sich die Diktatoren durch den üppigen Erdgasverkauf leisten können. Auch eine vorsichtige Re-Islamisierung des Landes lässt sich beobachten. Schließlich beschwört die Staatsführung bei jeder Gelegenheit die glorreiche Vergangenheit der turksprachigen Imperien der Vergangenheit, vor allem das der Seldschuken im 11. und 12. Jahrhundert. Nach Ansicht des Referenten ist keine dieser Anstrengungen von viel Erfolg gekrönt. Sicher scheinen Turkmenen bis zu einem gewissen Grad stolz auf ihr modernes Turkmenistan zu sein, aber die neuerbauten, monumentalen Moscheen stehen leer und der Personenkult um die heutigen Diktatoren wird eher mit nachsichtigem Schmunzeln kommentiert. Die beträchtliche russische Minderheit orientiert sich derweil ungestört an den religiösen und kulinarischen Gebräuchen ihres Heimatlandes. Die Einkünfte aus dem Erdgas, freilich, halten den Staat weiterhin zusammen.

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Turkmenistan – Ein Land auf der Suche nach einer Identität
Salzburg, OVAL - Die Bühne im EUROPARK
Datum
Di, 17. März 2026
Uhrzeit
19:30 Uhr
Preis
Erwachsene € 14
Ermäßigt € 11